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„Vielfalt schafft Werte“ – Interview mit Dr.Karamba Diaby,Bundestagsabgeordneter aus Halle

 

Hallo Zusammen,

Wir hatten die Möglichkeit ein Interview mit einem Mitglied des aktuellen Bundestages zu führen. Dr.Karamba Diaby hat sich schon früh politisch engagiert und eine interessante Karriere hinter sich. Im Interview erzählt er von seinem Werdegang, sowie von seiner Sichtweise über Deutschland als multikulturelles Land.

Viel Spass beim Lesen!

 

B.I.G:
Sie leben seit 1986 in Deutschland. Aus welchen Gründen haben
Sie sich damals entschieden hier her zu ziehen?

Dr.Diaby:
Ich hatte mich damals entschieden mich auf ein Stipendium in der damaligen DDR zu bewerben. 1982 hatte Ich angefangen Biologie und Geologie auf Lehramt in Dakar zu studieren. Leider waren die Studienbedingungen damals sehr schwierig, da Ich kein Stipendium hatte und als Waisenkind lediglich durch meinen Bruder finanziell unterstützt wurde. Dieser hatte ein Stipendium.
So kam Ich über eine Internationale Organisation, die in den damligen sozialistischen Ländern aktiv war, zu einem Stipendium.

B.I.G:
Sie haben Chemie studiert. Was waren die Gründe hierfür?

Dr.Diaby:
Als Ich in die DDR kam hieß es zunächst das Ich für ein Elektronikstudium zugelassen bin.
Zuerst musste Ich aber die deutsche Sprache am Herder-Institut in Leipzig lernen.
Während des Sprachkurses wurde entschieden das Ich einen Platz für Chemie in Halle bekommen werde. Das habe Ich akzeptiert.

B.I.G:
Seit wann engagieren sie sich politisch und wie ist es dazu gekommen das ihre berufliche Heimat nun in der Politik ist?

Dr.Diaby:
Politisch Aktiv bin Ich seit meinem 14. Lebensjahr. Seit meiner Schulzeit habe Ich mich für bessere Lernbedingungen in Gymnasien und Universitäten eingesetzt. Es gab zur damaligen Zeit sehr wenige Stipendien und kaum Lernmaterial. Dies tat Ich gemeinsam mit anderen Studenten, unter anderem auch mit Macky Sall, dem jetzigen Präsidenten des Senegal.
Mit ihm zusammen habe Ich das Abitur gemacht und danach die gleiche Universität besucht.
So fing meine politische Laufbahn in der linken Studentenbewegung an.
Als Ich dann nach Deutschland kam, engagierte Ich mich als Sprecher der internationalen Studenten der Universität Halle.
Später wurde Ich dann Vorsitzender des Ausländerbeirats der Stadt Halle, sowie Bundesvorsitzender der Ausländerbeiräte.
Meine parteipolitische Karriere bei der SPD begann 2008.

B.I.G:
Gibt es Menschen an denen Sie sich privat wie beruflich orientieren, und die sie als Vorbilder
bezeichnen würden?

Dr.Diaby:
Vorbilder sind für mich Menschen die Schwäche zeigen können und gleichzeitig sehr viele Stärken haben.
Ein Paradebeispiel dafür ist für mich Willy Brandt.
Er hat immer wieder eine Weitsicht in seinem politischen Denken gezeigt und über nationale, sowie kontinentale Grenzen hinweg geblickt.Außerdem hat er immer großen Einsatz für das Thema „Eine Welt“ gezeigt. Daher bewundere Ich ihn sehr.

 

B.I.G:
Sie sind ein Fan traditioneller afrikanischer Musik, insbesondere der Kora-Musik.
Spielen sie selber die Kora oder andere Instrumente?

Dr.Diaby:
Nein, aber ich höre sehr gerne Musik und tanze gerne wenn sich die Gelegenheit bietet.
Leider habe Ich aus beruflichen Gründen momentan kaum Zeit dazu.

B.I.G:
Haben Sie einen Musiktipp für Uns?
Dr.Diaby:
Ja, auf jeden Fall Lalo Keba Drame, einer der ersten Musiker der die Koramusik geprägt hat,
sowie auch sory Kandia Kouyate Conakry.

Media-Links:
Lalo Keba Drame

Sory Kandia Kouyate Conakry

 

B.I.G:
Kultureller Austausch ist Heutzutage sowohl im Alltag als auch in der Politik ein zentrales Thema.
Welche kulturellen Eigenschaften zeichnen für sie Deutschland aus ?

Dr.Diaby:
Deutschland ist für mich im Gegensatz zu vielen konservativen Meinungen, die Deutschland als homogenes Land sehen und versuchen abschreckende Thesen auf zu stellen, ein Land der kultutrellen Vielfalt.
Eine homogene Kultur gibt es hier nicht. Jemand der in Bayern geboren wurde hat ganz unterschiedliche kulturelle Prägungen im Vergleich zu jemanden der in Mecklenburg- Vorpommern oder Sachsen aufgewachsen ist. Selbstverständlich sind auch durch die jahrzehntelange Zuwanderung viele kulturelle Elemente aus anderen Ländern zur Tradition und Realität geworden.
Egal ob man die Hugenotten, oder die arabisch-, afrikanisch- und asiatisch-stämmigen Migranten nimmt. Sie prägen dieses Land schon so lange, dass ihre Kultur heute ein fester Bestandteil von Deutschland ist.Das muss man akzeptieren und wer diesen Fakt als Bereicherung sieht, wird auch viel nüchterner mit den Herrausforderungen dieser Vielfalt umgehen.
Mein Motto ist „Vielfalt schafft Werte“. Diese Vielfalt verbinde Ich auch mit vielen sozialen, kulturellen und humanistischen Werten die Uns bereichern. Die Herrausforderung besteht einfach darin die Potentiale jedes einzelnen zu nutzen.
So sehe ich dieses Land.
B.I.G:
Dr.Diaby wird nach der nächsten Bundestagswahl ins Kabinett berufen, was wäre Ihr Wunschamt?

Dr.Diaby:
Darüber mache Ich mir überhaupt keine Gedanken.Mein Ziel ist, dass nach vier Jahren als Bundestagsabgeordneter so viele Leute wie möglich mit meiner Arbeit zufrieden sind und  dass Ich das Gefühl habe in ihrem Interesse gehandelt zu haben.

 

 

„Black In Germany“ April 2014

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